HAIR

The American Tribal Love Rock-Musical

 

 

61. Gandersheimer Domfestspiele

Premiere: 05.07.2019

Buch und Text:

Gerome Ragni und James Rado

Musik

Galt MacDermot

  

Deutsche Fassung von Nico Rabenald

unter Verwendung der Liedtexte von Walter Brandin

© Dietrich Kühne

KREATIV-TEAM

Inszenierung, Choreographie:

Marc Bollmeyer

 

Musikalische Leitung: 

Prof. Patricia Martin 

BESETZUNG

Claude

Daniel Eckert

 

Berger

Tim Müller

 

Woof

Hermann Bedke

 

Margaret Mead

Sven Olaf Denkinger

 

Sheila

Elena Otten

 

Crissy

Esther Conter

 

Dionne

Rebecca Stahlhut

 

Hud

Lemuel Pitts

 

Jeanie

Vera Weichel

 

Steven

Stephan Luethy

 

Shamila

Carina Shamila

 

Vater, Hubert, Polizist etc.

Peter Neutzling

© Hubert Jelinek

© Hubert Jelinek


© Dietrich Kühne

ÜBER DAS STÜCK

Lange Haare, „verschmuddelte“ Kleidung, zerrissene Bluejeans und „Opa-Mode“ mit Weste, waren beliebte Symbole für die Protesthaltung gegenüber dem „Establishment“. Hair entstand und spielt in den späten 1960er-Jahren. Die USA führten den Vietnamkrieg und etwa 500.000 junge Amerikaner waren zu diesem Zeitpunkt dort eingesetzt. Das Stück erzählt die Geschichte einer Gruppe langhaariger (daher der Name des Musicals) Hippies, die in der Stadt New York leben und lieben und sich gegen die Einberufung als Soldaten für den Vietnamkrieg und das Establishment auflehnen. Der frisch vom Land hinzugestoßene Claude trifft auf die Gruppe Hippies, in der die junge Sheila und der charismatischer Berger ziellos in den Tag hinein leben. Das Stück beschreibt die Gefühle vieler junger Leute dieser Zeit, insbesondere aber die der so genannten „Hippie-Kultur“. Die „Hippies“ waren von den Studentenrevolten beeinflusste Jugendliche vorwiegend der bürgerlichen Klasse: Studenten, Schüler, aber auch „Ausgeflippte“.

Claude gerät, hin und her gerissen zwischen den patriotischen Impulsen seiner bürgerlichen Herkunft und den im Kreise seiner neuen Freunde erstarkten pazifistischen Idealen, in einen inneren Konflikt, denn mit Eintreffen der Einberufung muss er sich entscheiden, ob er – wie die anderen – den Kriegsdienst verweigern (und damit eine drohende Gefängnisstrafe und gesellschaftliche Ächtung in Kauf nehmen) oder seine pazifistischen Ideale missachtend, sich der militärischen Autorität unterwerfen, Menschen töten und sein Leben in Vietnam riskieren soll.

 

Die Autoren formulierten die Unruhe dieser jungen Generation: Protestschrei und provokative Aktion, mystische Wirklichkeitsflucht und philosophische Spekulation. Der Härte mancher Texte stehen Passagen zarter Poesie gegenüber. Der Widerspruch in der Form macht die Spannung des Inhaltes deutlich. So entstand ein Material, das den Leser oder Hörer beansprucht und zuweilen sogar erschreckt.

© Hubert Jelinek

PRESSE

Carmen Barann in HNA Northeimer Neueste Nachrichten (08.07.2019):

 

Mitreißender Appell für Liebe und Frieden. Ein Abend zum Mittanzen bei sattem Sound: In einen Nostalgierausch konnten die Zuschauer bei den Gandersheimer Domfestspielen taumeln: Das Flower-Power-Musicals „Hair“ unter der Regie und Choreografie von Marc Bollmeyer wurde mit tosendem Beifall bedacht. (...) Emotionaler Höhepunkt ist der Schluss: Claude stirbt in Vietnam und wird im Central Park aufgebahrt: ein Moment des Innehaltens. Und endlich vibriert die Bühne im satten Sound von „Let The Sunshine In“. Da muss man sich zwingen, sitzen zu bleiben und nicht zu tanzen. Spätestens als „Good Morning Starshine“, quasi schon als Zugabe, und noch mal „Hair / Haare“ von Tim Müller nun richtig locker-leicht erklingen, wird deutlich, dass ein in die Jahre gekommenes Musical wie „Hair“ noch begeistern kann.


Jörg Beese, DaCapo Magazin, Juli 2019:

 

Spektakel mit hoher Publikums-Interaktion! Domfestspiele Bad Gandersheim begeistern mit "Hair"! [...] 

Nun muss der Autor dieser Zeilen zugeben, dass er weder ein Hair-Fachmann oder gar Fan ist, in den letzten 20 Jahren kreuzten sich seine Wege mit denen des Musicals vielleicht zwei oder drei mal. Und dennoch muss festgehalten werden, dass eine derartige Version von „Hair“ wie sie in Bad Gandersheim gezeigt wird, bislang wohl einmalig sein dürfte. Denn Regisseur und Choreograf Marc Bollmeyer verzichtet über weite Strecken auf Dramatik, setzt stattdessen auf Humor und nimmt die Besucher außerdem auf eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit mit. Auch rollentechnisch setzt Bollmeyer klare Akzente, denn er setzt voll auf die Figur des “Berger“, die von Tim Müller mit Bravour ausgefüllt wird. Während die eigentliche Hauptfigur des “Claude“, gespielt von Daniel Eckert, weitaus mehr im Hintergrund agiert als üblich und eher unscheinbar ist, erhalten die anderen Charaktere punktuell ihre Highlight-Momente, wodurch das zweistündige Spektakel (ohne Pause) vor der herrlichen Kulisse der Stiftskirche mit ihren Doppeltürmen extrem kurzweilig wird. Ein weiteres großes Plus: Bollmeyer legt einen hohen Wert auf die Interaktion mit dem Publikum, lässt seine Akteure ständig durch die Reihen flanieren und bezieht auch immer wieder einzelne Besucher in die Handlung mit ein, was von der Tribüne mit viel Gelächter und Sympathiebekundungen honoriert wird.[...] 

[...] Normalerweise wäre es nicht unüblich, wenn sich die Zuschauer bei einer Sonntagabendvorstellung auch mal reserviert verhalten, bei der besuchten Show konnte davon keine Rede sein, denn das Auditorium war ehrlich begeistert und spendete dem gesamten Team lang anhaltenden und verdienten Beifall. Bad Gandersheim ist sich seiner Devise „Klein, aber Fein“ auch 2019 treu geblieben, mit einem Besuch der Domfestspiele macht man auch in diesem Sommer nichts falsch. 


Tina Fibiger schreibt im Gandersheimer Kreisblatt (08.07.2019):

 

[...] Marc Bollmeyer hat sie [Anmerkung: die Hits der HAIR-Autoren Ragni und Rado ] für seine Inszenierung zu einem faszinierenden Panorama verwebt, in dem die alte Aufbruchstimmung musikalisch, choreografisch  und szenisch einfach nur beflügelt.  [...] 

Die verschiedenen Zeitstimmen, die in den einzelnen Szenen aufblitzen, bilden kein Handlungsgefüge im klassischen Sinn sondern ein Panoptikum gesellschaftlicher Unruheherde in bewegten Bildern, die Marc Bollmeyer auch gern ironisch einfärbt und zuspitzt. Zur Antirassismus-Demo halten sich die Schauspieler Affenmasken vor ihre Gesichter. Und bei der Ansage, „Unser Amerika soll schöner werden“ qualmen die riesigen Joints besonders schön. Herrlich schräg gestaltet sich auch das szenische Intermezzo mit der Kulturanthropologin Margaret Mead (Sven Olaf Denkinger) und ihrem Gefährten Hubert (Peter Neutzling), die sich für Berger und sein Bündnis begeistert, um dann als Operndiva zu posieren und als Drag Queen.

Enthusiastischen Beifall gibt es eben nicht nur für „The Age of Aquarius“ , „Good morning Starshine“ und all die anderen greatest Hits aus dem Musica „Hair“ sondern auch für dieser herrlich schrägen und hoch dramatisch gestalteten Opernkoloraturen. 

 [...] 

Die mobilen Holzbänke, die immer wieder zu neuen Schauplätzen verschoben werden, bilden jetzt einen Sarg, an dem dieses hoffnungsvolle „Let the Sunshine“ die berührenden Tonfarben eines Klagegesangs bekommt. Doch die Aufbruchstimmung will einfach nicht verkümmern und so formiert sich das leidenschaftlich kämpferische Ensemble zum gemeinsamen Schlusschor mit einem begeisterten Publikum. Dann strahlt der Song wieder so leidenschaftlich enthusiastisch wie eine aufmunternde Vision „Let the sunshine in“.


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Reportage USCHI-Magazin
Dietrich Kühne (© alle Fotos) und Frank Bertram berichten über die Proben zu "HAIR - das Musical" bei den 61. Gandersheimer Domfestspielen.
Magazin_USCHI_Hair_Domfestspiele.pdf
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© Hubert Jelinek


© Rudolf A. Hillebrecht